Bing Places ist das lokale Unternehmensverzeichnis von Microsoft – und eine wichtige Datenquelle für Microsoft Copilot und die Bing-basierten Dienste, auf die auch ChatGPT bei der Websuche zurückgreift. Frag zehn Unternehmer, ob sie ein Bing-Places-Profil haben. Neun werden fragen: „Was ist das?“ Das ist verständlich – Bing hat in Deutschland nur einen geringen, einstelligen Marktanteil als Suchmaschine. Warum sollte man sich darum kümmern?
Weil Bing 2026 nicht mehr nur eine Suchmaschine ist. Bing ist eine Datenschicht, die Microsoft Copilot, DuckDuckGo und Yahoo speist – und auf die ChatGPT bei der Websuche als einen seiner Suchpartner zurückgreift. Wenn ein Nutzer ChatGPT fragt „Wer ist ein guter Steuerberater in München?“ und ChatGPT im Web sucht, fließen unter anderem Bing-Daten ein – nicht Google. Wie dünn die Anbieterlage bei genau dieser Frage ist, habe ich in einer Auswertung von 977 Münchner Steuerkanzleien gemessen. Wenn dein Unternehmen dort nicht sauber eingetragen ist, fehlt ChatGPT die strukturierte Information, die es für eine Empfehlung braucht.
Warum Bing Places 2026 plötzlich relevant ist
Microsoft ist der größte Investor in OpenAI. ChatGPT nutzt für seine Websuche unter anderem Bing als Suchpartner. Microsoft Copilot – laut Microsoft über 150 Millionen monatliche Nutzer der Copilot-Familie – zieht seine lokalen Geschäftsdaten direkt aus Bing Places. Wenn ein Copilot-Nutzer fragt „Finde einen Elektriker in meiner Nähe“, liefert Copilot eine KI-Antwort – basierend auf deinem Bing-Places-Profil. Ist es nicht vorhanden oder unvollständig, wirst du übersprungen.
In meiner Analyse von 100 Münchner Unternehmen hatte kein einziges der untersuchten Handwerksbetriebe ein optimiertes Bing-Places-Profil. Bei den Steuerberatern und Anwälten waren es weniger als 10 %. Das bedeutet: Wer jetzt handelt, hat faktisch keinen Wettbewerb.
Bing Places ist 2026 nicht wegen Bing relevant. Es ist relevant, weil Copilot direkt und ChatGPT bei der Websuche auf Bing-Daten zugreifen. Dein Bing-Profil ist ein Teil deines KI-Profils.
Wer nutzt Bing-Daten? Das Ökosystem im Überblick
| Plattform | Nutzt Bing-Daten für | Reichweite |
|---|---|---|
| ChatGPT | Websuche (Bing als einer der Partner) | 900 Mio. wöchentliche Nutzer |
| Microsoft Copilot | Lokale Geschäftsdaten, Karten, Empfehlungen | 150 Mio.+ monatliche Nutzer (Copilot-Familie) |
| DuckDuckGo | Suchergebnisse (basiert auf Bing-Index) | Millionen täglicher Suchen |
| Yahoo Suche | Suchergebnisse (basiert auf Bing-Index) | Weltweite Nutzerbasis |
Ein einziges Bing-Places-Profil liefert deine Daten an mehrere Plattformen gleichzeitig. Das ist das beste Aufwand-Wirkungs-Verhältnis in der gesamten GEO-Strategie.
Bing Places einrichten: Schritt für Schritt
Schritt 1: Prüfen, ob bereits ein Eintrag existiert
Gehe auf bingplaces.com und suche nach deinem Unternehmensnamen. Bing erstellt häufig automatisch Einträge aus Drittquellen – mit teilweise veralteten oder falschen Daten. Wenn ein Eintrag existiert: beanspruchen (claimen), nicht neu erstellen. Duplikate schaden.
Schritt 2: Konto erstellen oder mit Microsoft-Konto anmelden
Du brauchst ein Microsoft-Konto. Falls du Outlook, Office 365 oder Teams nutzt, hast du bereits eines. Melde dich auf bingplaces.com an und klicke auf „Neues Unternehmen hinzufügen“.
Schritt 3: Unternehmensdaten eingeben
Die Pflichtfelder: Firmenname (exakt wie im Handelsregister und auf deiner Website), Adresse, Telefonnummer, Website-URL, Kategorie, Öffnungszeiten. Jedes einzelne Feld muss exakt mit deinem Google Business Profil übereinstimmen. Ein Bindestrich in der Straße, eine alte Telefonnummer, eine abweichende Schreibweise – alles senkt die Datenkonsistenz, die KI-Systeme als Vertrauenssignal nutzen.
Prüfe nach dem Eintragen, ob der Kartenpunkt korrekt sitzt. Bing platziert ihn manchmal ein paar Straßen daneben. Du kannst ihn manuell verschieben, bevor du veröffentlichst. Ein falscher Pin bedeutet, dass Copilot und ChatGPT deinen Standort falsch angeben – und Kunden woanders hinschicken.
Schritt 4: Verifizierung
Bing bietet mehrere Verifizierungsmethoden: Telefon (Anruf oder SMS), Postkarte oder E-Mail. Die schnellste: Telefon-Verifizierung, dauert unter 5 Minuten. Wenn du dein Google Business Profil importierst (siehe nächster Abschnitt), kann Bing die Verifizierung in einigen Fällen automatisch übernehmen.
Schritt 5: Fotos und Beschreibung hinzufügen
Bing erlaubt bis zu 100 Fotos mit bis zu 10 MB pro Bild – deutlich mehr als Google (5 MB). Lade Profilbild, Logo, Außenansicht, Innenansicht und Teamfotos hoch. Die Beschreibung sollte neutral und informativ sein – keine Marketing-Sprache, sondern klare Aussagen zu Leistungen, Standort und Zielgruppe. KI-Systeme lesen diesen Text und nutzen ihn für ihre Empfehlungslogik.
Der schnellste Weg: Google-Business-Profil importieren
Wenn du bereits ein optimiertes Google Business Profil hast, ist der Import die schnellste Methode. Auf bingplaces.com wählst du „Import from Google Business Profile“ – Bing übernimmt Name, Adresse, Telefon, Kategorien, Öffnungszeiten und Fotos automatisch.
Wichtig: Nach dem Import prüfen. Der Import ist nicht fehlerfrei. Öffnungszeiten werden manchmal falsch übersetzt, Kategorien stimmen nicht immer überein, und die Kartenpositon muss manuell kontrolliert werden. Plane 10 Minuten für die Nachkontrolle ein.
Wenn du willst, ja: Bing Places kann verknüpfte Einträge regelmäßig (wöchentlich, zweiwöchentlich oder monatlich) mit deinem Google-Profil abgleichen – die Option findest du beim Import. Verlass dich trotzdem nicht blind darauf: Setze dir eine vierteljährliche Erinnerung, um beide Profile abzugleichen.
Profil optimieren: Was über das Minimum hinausgeht
Ein eingetragenes Profil ist gut. Ein optimiertes Profil ist besser. Drei Maßnahmen, die den Unterschied machen:
Kategorien präzise wählen. Bing bietet andere Kategorien als Google. Wähle die spezifischste verfügbare Kategorie – nicht „Dienstleister“, sondern „Steuerberater“ oder „Elektroinstallateur“. Die Kategorie bestimmt, für welche Anfragen Copilot und ChatGPT dein Unternehmen in Betracht ziehen.
Beschreibung mit relevanten Informationen füllen. Erwähne deine Kernleistungen, deinen Standort, deine Zielgruppe und deine Erfahrung. Nicht als Werbung, sondern als sachliche Information. ChatGPT extrahiert genau diese Datenpunkte für seine Empfehlungen.
Bewertungen aufbauen. Bing zeigt Bewertungen aus mehreren Quellen – darunter TripAdvisor, Yelp und eigene Bing-Bewertungen. Die Gesamtbewertung fließt in die Empfehlungslogik von Copilot ein. Warum Bewertungen 2026 auch für KI-Sichtbarkeit entscheidend sind, habe ich in einem eigenen Artikel aufgeschlüsselt.
Häufige Fehler
1. Duplikate erstellen. Wenn Bing bereits einen automatischen Eintrag für dich hat und du einen neuen erstellst, hast du zwei Einträge mit potenziell widersprüchlichen Daten – genau der Fall, der deine Entität für KI-Systeme verwässert. Immer zuerst suchen, dann beanspruchen.
2. Abweichende NAP-Daten. Name, Adresse und Telefonnummer müssen auf Google, Bing, deiner Website und in deinem Schema-Markup identisch sein. Jede Abweichung ist ein Vertrauensverlust – für Google und für KI-Systeme.
3. Einrichten und vergessen. Bing Places ist kein Einmal-Projekt. Öffnungszeiten ändern sich, Leistungen kommen hinzu, Fotos veralten. Ein Profil, das seit zwei Jahren nicht angefasst wurde, signalisiert KI-Systemen: Dieses Unternehmen ist möglicherweise nicht mehr aktiv.
4. Keine Verknüpfung mit der Entity-Strategie. Bing Places ist am wirkungsvollsten, wenn es Teil einer Gesamtstrategie ist: Wikidata-Eintrag, Schema-Markup mit sameAs-Verlinkung, llms.txt, konsistente Daten auf allen Plattformen. Die 7 Signale für KI-Empfehlungen zeigen, wie Bing Places ins Gesamtbild passt.
Fazit
Bing Places einrichten dauert 10–20 Minuten. Der Import aus Google Business macht es noch schneller. Und der Effekt ist überproportional: Deine Daten erreichen Copilot, DuckDuckGo, Yahoo und die ChatGPT-Websuche – mehrere Plattformen mit einem einzigen Profil.
In meiner Beratungspraxis ist Bing Places die Maßnahme mit dem besten Aufwand-Wirkungs-Verhältnis für KI-Sichtbarkeit. Nicht weil sie kompliziert ist – sondern weil sie so einfach ist, dass die meisten sie übersehen. Genau das macht sie zum Wettbewerbsvorteil.
Wer ernsthaft seine KI-Sichtbarkeit verbessern will, fängt hier an – bevor er sich um Schema-Markup, Fachcontent und Gastbeiträge kümmert. 10 Minuten, die sich auszahlen.