Seit dem 24. August 2026 läuft Werbung in ChatGPT auch in Deutschland. Seitdem höre ich in fast jedem Beratungsgespräch dieselbe Frage: „Lohnt sich das für uns?“ Statt zu raten, habe ich es ausprobiert. Mit meinem eigenen Werbekonto, mit dem Konto eines B2B-Kunden und mit Recanbo, einem Projekt, an dem ich selbst beteiligt bin.
Das Ergebnis ist eindeutiger, als ich erwartet hatte. Hier sind alle Zahlen, die Screenshots aus dem Ads Manager und meine Einschätzung, für wen sich der Kanal lohnt und für wen nicht.
Was ChatGPT Ads sind und wer sie sieht
ChatGPT Ads sind Anzeigen, die unter einer Antwort von ChatGPT erscheinen und als gesponsert gekennzeichnet sind. Laut OpenAI beeinflussen sie die Antwort selbst nicht. Gebucht werden sie seit dem 31. August 2026 auch per Self-Service im OpenAI Ads Manager.
Für die Einordnung meiner Ergebnisse sind vier Punkte entscheidend:
- Nur Free- und Go-Nutzer sehen Werbung. Plus, Pro, Business, Enterprise und Edu sind werbefrei. Konten, die OpenAI als minderjährig einstuft, ebenfalls.
- Es gibt keine Keywords. Statt Suchbegriffen gibst du thematische Kontext-Hinweise an. ChatGPT entscheidet anhand des Gesprächs, ob deine Anzeige passt.
- Das Targeting in Europa ist grob. Ländersteuerung ja, Regionen, Postleitzahlen, Retargeting und eigene Zielgruppen nein.
- Manche Branchen sind ausgeschlossen. Außerhalb der USA zum Beispiel Gesundheit und Finanzdienstleistungen.
Mehr zu Ablauf, Formaten und Einstieg steht auf meiner Seite zu ChatGPT Ads.
So habe ich getestet
Ich habe drei Werbekonten im OpenAI Ads Manager ausgewertet. Alle Kampagnen liefen in Deutschland und wurden direkt im Self-Service-Ads-Manager gebucht. Als Conversion zählte in allen drei Konten ein abgeschicktes Formular auf der Website.
| Konto | Angebot | Zeitraum der Auswertung |
|---|---|---|
| Recanbo | B2C · Ankauf von Handys | 30.09. bis 29.10.2026 |
| B2B-Dienstleister | B2B · Mittelstand, anonymisiert | 30.09. bis 29.10.2026 |
| Dominik Kienzle | B2B · SEO und GEO, eigenes Konto | 01.09. bis 30.09.2026 |
Der B2B-Dienstleister ist ein Kunde von mir und hier anonymisiert. Recanbo ist ein Gemeinschaftsprojekt, an dem ich beteiligt bin. Die Zahlen stammen unverändert aus der Übersicht des OpenAI Ads Managers.
Die Ergebnisse
| Konto | Ausgaben | Impressionen | Klicks | Klickrate | Pro Klick | Conversions |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Recanbo B2C · Ankauf von Handys | 197,40 € | 73.441 | 3.806 | 5,18 % | 0,05 € | 13 |
| B2B-Dienstleister B2B · Mittelstand, anonymisiert | 492,16 € | 25.904 | 79 | 0,30 % | 6,23 € | 0 |
| Dominik Kienzle B2B · SEO und GEO, eigenes Konto | 234,65 € | 15.234 | 138 | 0,91 % | 1,70 € | 0 |
Quelle: OpenAI Ads Manager, eigene Konten. Klickrate berechnet aus Klicks geteilt durch Impressionen.
bei 15,18 € pro Conversion
bei 726,81 € Budget
als beim B2B-Kunden
Anteil der Impressionen, die zu einem Klick geführt haben.
Durchschnittlicher Preis pro Klick laut Ads Manager.
Drei Dinge fallen auf:
- Die Klickrate liegt um Welten auseinander. Recanbo kam auf 5,18 %, mein eigenes Konto auf 0,91 % und der B2B-Kunde auf 0,30 %. Zum Vergleich: Für die USA werden Klickraten zwischen 0,3 und 1,5 % berichtet. Die beiden B2B-Konten liegen also im üblichen Rahmen, Recanbo weit darüber.
- Die Klickpreise sind extrem unterschiedlich. Bei Recanbo kostete ein Klick 0,05 €, beim B2B-Kunden 6,23 €. Das ist mehr als das Hundertfache. Wenn kaum jemand klickt, wird jeder einzelne Klick teuer.
- Klicks sind nicht gleich Anfragen. Auch mit 217 Klicks in den beiden B2B-Konten kam keine Anfrage. Bei Recanbo wurde etwa jeder 290. Klick zur Conversion.
Die Screenshots aus dem Ads Manager
Recanbo · 30.09. bis 29.10.2026
B2B-Dienstleister · 30.09. bis 29.10.2026
Dominik Kienzle · 01.09. bis 30.09.2026Beim B2B-Dienstleister ist der Kontoname unkenntlich gemacht.
Warum B2C funktioniert und B2B nicht
Drei Tests sind keine repräsentative Studie. Die Gründe für das Muster sind aus meiner Sicht aber ziemlich klar.
1. Die Entscheider sehen die Werbung gar nicht
Werbung bekommen nur Nutzer im kostenlosen Tarif oder im günstigen Go-Tarif. Wer ChatGPT jeden Tag im Job nutzt, hat sehr oft einen bezahlten Zugang: Plus privat, Business oder Enterprise über die Firma. Genau diese Menschen entscheiden im B2B über Dienstleister. Sie sind für ChatGPT Ads unsichtbar.
Zur Größenordnung: Bei rund 900 Millionen wöchentlichen Nutzern melden Berichte über 50 Millionen Plus-Abos und über 5 Millionen Nutzer in Business, Enterprise und Edu. Die große Masse sieht also Werbung. Das ist eine Konsumenten-Reichweite, keine Entscheider-Reichweite. Wie hoch der Anteil zahlender Nutzer unter Geschäftsführern genau ist, misst niemand. Meine Annahme, dass er deutlich höher liegt, ist eine Einschätzung, keine gemessene Zahl.
2. Privatkunden haben einen einfachen, sofortigen Bedarf
„Wo kann ich mein altes iPhone verkaufen?“ ist eine Frage, die viele Menschen ChatGPT stellen und nach der sie sofort handeln. Das Angebot ist einfach zu verstehen, die Entscheidung dauert Minuten. Eine Anzeige an dieser Stelle trifft genau den Moment.
Ein B2B-Auftrag wie eine SEO-Betreuung oder eine Fabrikplanung läuft anders: mehrere Gespräche, mehrere Beteiligte, Wochen bis Monate Entscheidungszeit. Ein einzelner Klick unter einer ChatGPT-Antwort führt dort selten direkt zu einem Formular.
3. Das Targeting ist für B2B zu grob
Ohne Keywords, ohne Branchen- oder Jobtitel-Targeting und ohne Retargeting lässt sich ein B2B-Publikum kaum eingrenzen. Die Anzeige erscheint bei thematisch passenden Gesprächen, egal ob ein Geschäftsführer oder ein Student fragt. Für Massenprodukte ist das egal. Für eine kleine B2B-Zielgruppe ist es teurer Streuverlust.
Das deckt sich mit den ersten Daten aus den USA: Die Agentur Choice OMG berichtet für eine B2B-Kampagne von 0,65 % Klickrate, 7,16 $ pro Klick und keinen qualifizierten Leads. Ein E-Commerce-Anbieter kam laut Opascope dagegen auf 2,35 % Conversion-Rate.
Für wen sich ChatGPT Ads lohnen
- Angebote für Privatkunden
- Schnelle, einfache Kaufentscheidung
- Bundesweite Angebote
- Online kaufbar oder buchbar
- Kleiner Kauf, oft wiederholt
- Leistungen für Unternehmen
- Lange, erklärungsbedürftige Entscheidung
- Lokale Anbieter mit kleinem Gebiet
- Gesperrte Branchen, etwa Gesundheit
- Kein sauberes Conversion-Tracking
Für B2B-Unternehmen heißt das nicht, dass ChatGPT unwichtig ist. Im Gegenteil: Gerade Entscheider mit bezahltem Zugang nutzen ChatGPT intensiv für Recherche. Nur erreichst du sie dort nicht über Anzeigen, sondern über die Antworten selbst. Genau das ist die Aufgabe von GEO: dafür zu sorgen, dass ChatGPT dein Unternehmen nennt, wenn jemand nach einem Anbieter fragt. Wie das funktioniert, zeige ich im Ratgeber So wird dein Unternehmen von ChatGPT empfohlen.
So testest du ChatGPT Ads richtig
Wenn dein Angebot in die Spalte „Eher lohnenswert“ passt, ist ein Test sinnvoll. So würde ich ihn aufsetzen:
- Conversion-Tracking zuerst. Den OpenAI-Pixel oder die Conversions API einrichten und mit einem Testformular prüfen, bevor auch nur ein Euro fließt. Ohne Tracking ist jede Auswertung wertlos.
- Kleines Budget, feste Laufzeit. Das Mindestbudget liegt bei 15 € pro Tag und Kampagne. Zwei bis vier Wochen mit 200 bis 500 € reichen für eine erste Einschätzung.
- Kontext-Hinweise eng wählen. Formuliere die Situationen, in denen dein Angebot die Antwort ist, nicht allgemeine Themen.
- Eine eigene Landingpage. Die Anzeige verspricht etwas Konkretes, die Seite muss genau das einlösen und ein kurzes Formular haben.
- Vorher festlegen, was Erfolg ist. Zum Beispiel: Kosten pro Anfrage unter dem Wert, den Google Ads heute liefert. Sonst redet man sich jedes Ergebnis schön.
Grenzen dieser Auswertung
Ich will die Ergebnisse nicht größer machen, als sie sind:
- Drei Konten sind eine Stichprobe. Sie zeigen ein Muster, beweisen aber nichts für jede Branche.
- Zeiträume und Budgets unterscheiden sich. Mein eigenes Konto lief im September, die anderen beiden im Oktober.
- Die Angebote unterscheiden sich stark. Ein Handyverkauf ist eine kleinere Entscheidung als eine B2B-Dienstleistung. Ein Teil des Unterschieds liegt am Angebot, nicht nur am Kanal.
- Der Kanal ist neu. OpenAI ändert Formate, Targeting und Gebotslogik laufend. Was heute gilt, kann in drei Monaten anders aussehen.
Ich aktualisiere diese Auswertung, sobald weitere Tests laufen.