Was Digital PR ist – und was nicht
Klassische Pressearbeit will Reichweite: einen Artikel in der Zeitung, eine Erwähnung im Radio. Digital PR will dasselbe, achtet aber zusätzlich darauf, was danach im Netz bleibt: ein Link auf deine Website, deine Nennung als Experte, dein Name im richtigen thematischen Zusammenhang. Diese Spuren werten Google und KI-Systeme aus, wenn sie entscheiden, wem sie vertrauen.
Digital PR ist nicht das Einkaufen von Artikeln auf Portalen, die jeden Text gegen Bezahlung veröffentlichen. Google stuft das Kaufen und Verkaufen von Links zu Rankingzwecken in seinen Spam-Richtlinien ausdrücklich als Link-Spam ein. Der Unterschied ist einfach zu prüfen: Bei Digital PR entscheidet eine Redaktion, ob sie berichtet. Bei gekauften Platzierungen entscheidet das Geld.
Die falsche Kennzahl: Warum Backlink-Menge täuscht
Bevor ich Digital PR für Kunden plane, prüfe ich das Linkprofil – und zwar nicht nach Menge, sondern nach Qualität. Den ehrlichsten Test habe ich an meiner eigenen Domain gemacht. Auf dem Papier sah das Profil ordentlich aus: mehrere Hundert verweisende Domains. Dann habe ich die 14 stärksten Verweise einzeln geprüft.
Das Ergebnis: Nur drei davon waren Links, die Google als Empfehlung wertet (dofollow) und die aus einer wirklich starken Quelle kamen. Der jüngste war fünf Jahre alt. Und keiner der drei handelte von SEO oder GEO – also genau den Themen, für die ich gefunden werden will.
Daraus ist das Raster entstanden, mit dem ich seitdem jedes Linkprofil bewerte:
| Kriterium | Frage | Warum es zählt |
|---|---|---|
| Aktualität | Ist der Link aus den letzten zwei, drei Jahren? | Alte Erwähnungen belegen, dass du einmal relevant warst – nicht, dass du es heute bist. |
| Themenrelevanz | Geht es auf der verlinkenden Seite um dein Fachgebiet? | Ein Link aus einem fachfremden Artikel stärkt deine Domain, aber nicht deine Expertise. |
| Dofollow | Gibt der Link Vertrauen weiter? | Nofollow-Links sind für Marke und Reichweite gut, für Rankings aber nur begrenzt. |
Aktualität × Themenrelevanz × Dofollow – ein Link, der alle drei Kriterien erfüllt, ist mehr wert als zwanzig, die keines erfüllen. Und genau diese Links entstehen fast nur über Digital PR.
Warum Digital PR für GEO und KI-Sichtbarkeit zählt
Wenn jemand ChatGPT, Perplexity oder Google AI Mode fragt, welcher Anbieter für ein Problem infrage kommt, recherchieren diese Systeme im Web und fassen zusammen, was sie finden. Wer dort auf mehreren unabhängigen, glaubwürdigen Seiten im richtigen Zusammenhang auftaucht, hat bessere Chancen, genannt zu werden.
Ehrlich eingeordnet: Dass redaktionelle Erwähnungen KI-Nennungen verursachen, ist nicht bewiesen – die Anbieter legen ihre Quellenauswahl nicht offen. Plausibel ist es trotzdem, aus zwei Gründen. Erstens greifen KI-Systeme mit Websuche auf Suchergebnisse zurück, in denen gut verlinkte Seiten weiter oben stehen. Zweitens tauchen in KI-Antworten auffällig oft Fachmedien, Vergleichsartikel und Branchenportale als Quellen auf. Wer dort vorkommt, wird eher Teil der Antwort. Wie du das für dein Unternehmen misst, beschreibe ich im Artikel ChatGPT-Sichtbarkeit messen.
Formate, die im Mittelstand funktionieren
Die meisten Mittelständler haben mehr berichtenswertes Material, als sie denken. Es liegt nur nicht aufbereitet vor. Diese Formate setze ich am häufigsten ein:
1. Eigene Daten und Studien
Das stärkste Format. Redaktionen brauchen Zahlen, die es woanders nicht gibt. Das kann eine Auswertung eigener Projektdaten sein, eine Umfrage unter Kunden oder eine systematische Analyse eines Marktes. Ein Beispiel ist meine Datenanalyse zu Steuerberatern in München: Von 977 gelisteten Kanzleien waren nur 29 organisch sichtbar. So eine Zahl lässt sich zitieren – ein allgemeiner Ratgeber nicht.
2. Expertenstatements
Fachmedien suchen laufend Einschätzungen zu aktuellen Entwicklungen. Wer schnell, konkret und mit eigener Meinung antwortet, wird wieder angefragt. Wichtig ist ein klares Fachgebiet: Ein Statement von „dem Experten für Kältetechnik im Lebensmittelhandel“ wird eher gedruckt als eines von einem Allrounder.
3. Fachbeiträge in Branchenmedien
Gastbeiträge in echten Fachmedien – nicht auf Artikel-Schleudern. Der Unterschied: Fachmedien haben eine Redaktion, die Texte ablehnt, und eine Leserschaft aus deiner Zielgruppe. Viele erlauben nur einen Link auf die eigene Website. Das ist gut so, denn genau dieser eine Link ist dann glaubwürdig.
4. Vorträge, Podcasts und Interviews
Ein Vortrag auf einer Branchenkonferenz zieht oft eine Kette nach sich: Speakerprofil, Agenda-Seite, Nachberichte, Podcast-Einladungen. Viele dieser Links sind nofollow – ihr Wert liegt in Erwähnungen und Markenbekanntheit, nicht in direkter Rankingkraft.
5. Kostenlose Tools
Ein nützliches Werkzeug wird verlinkt, weil es hilft – nicht, weil jemand darum gebeten hat. Beispiele auf meiner Seite sind der KI-Sichtbarkeits-Check und der llms.txt-Generator.
Was nicht funktioniert
Ich sehe in Linkprofilen regelmäßig dieselben Fehler. Sie kosten Geld und bringen im besten Fall nichts:
- Massen-Outreach mit Vorlagen. Eine große Auswertung von 12 Millionen Outreach-E-Mails kam auf eine Antwortquote von 8,5 Prozent – Antworten, nicht Links (Backlinko). Wer Redaktionen mit austauschbaren Mails anschreibt, verbrennt vor allem seinen Ruf.
- Gekaufte Artikel und Linkpakete. Verstoßen gegen Googles Richtlinien und fallen in einem Linkprofil schnell auf – vor allem, wenn viele davon in kurzer Zeit entstehen.
- Advertorials, die wie Redaktion aussehen sollen. Bezahlte Platzierungen in Wirtschaftsmedien sind als Werbung gekennzeichnet. Sie können für Reichweite sinnvoll sein, sind aber keine redaktionelle Empfehlung – und sollten auf deiner Website nie so dargestellt werden.
- Pressemitteilungen ohne Nachricht. „Firma X hat eine neue Website“ interessiert keine Redaktion. Eine Pressemitteilung braucht einen Anlass, der für Leser relevant ist.
So setze ich Digital PR in der Praxis um
Digital PR ist bei mir kein eigenes Produkt, sondern Teil der laufenden SEO- und GEO-Betreuung. Der Ablauf:
- Linkprofil prüfen: Wo stehst du heute, gemessen an Aktualität, Themenrelevanz und Dofollow – und wie sieht das bei deinen Wettbewerbern aus?
- Story finden: Welche Daten, Erfahrungen oder Einschätzungen hat dein Unternehmen, die für Redaktionen interessant sind? Die besten Ideen kommen oft aus dem Vertrieb und dem Kundenservice.
- Zielmedien auswählen: Fachmedien deiner Branche und deiner Kunden, nicht die mit der höchsten Domain-Bewertung. Ein Branchenportal mit 5.000 passenden Lesern schlägt ein Nachrichtenportal, das niemand aus deiner Zielgruppe liest.
- Aufbereiten: Daten, Grafiken, Zitate und eine klare Kernaussage – so, dass eine Redaktion daraus ohne großen Aufwand einen Beitrag machen kann.
- Persönlich ansprechen: Wenige, individuell formulierte Pitches statt Serienmails.
- Messen: Neue Links und Erwähnungen, Entwicklung der Rankings und – mit fester Prompt-Liste – Nennungen in KI-Antworten.
Parallel läuft der übrige Linkaufbau: Verzeichnisse und Entitätssignale als Grundlage, Gastbeiträge in Fachmedien als zweite Stufe. Digital PR ist die dritte Stufe – die mit der größten Hebelwirkung, aber auch dem meisten Vorlauf.
Kosten und Zeitrahmen
Digital PR biete ich nicht als Einzelleistung an, sondern als Teil meiner laufenden SEO- und GEO-Betreuung ab 1.000 € netto pro Monat. Der Grund: Eine einzelne Kampagne ohne saubere Website, ohne passende Landingpages und ohne Messung verpufft. Wie viel Anteil Digital PR in einem Projekt bekommt, hängt von Wettbewerb und Ausgangslage ab.
Zum Zeitrahmen, ehrlich: Bis eine Studie erhoben, aufbereitet und von den ersten Redaktionen aufgegriffen ist, vergehen meist zwei bis vier Monate. Eine spürbare Breite an neuen Erwähnungen braucht eher sechs Monate. Wer schneller Ergebnisse braucht, sollte parallel auf andere Kanäle setzen – zum Beispiel Google Ads als Überbrückung.
Häufige Fragen zu Digital PR
Ist Digital PR dasselbe wie Linkbuilding?
Nein. Linkbuilding ist der Oberbegriff für alle Maßnahmen, die zu Backlinks führen. Digital PR ist eine Methode davon – die, bei der Links durch redaktionelle Berichterstattung entstehen.
Lohnt sich Digital PR auch für kleinere Mittelständler?
Ja, wenn das Unternehmen etwas zu erzählen hat – eigene Daten, ein klares Fachgebiet oder eine pointierte Meinung. Branchenmedien sind oft dankbar für Praktiker, die konkret werden. Der Aufwand muss allerdings im Verhältnis zum Auftragswert stehen.
Wie messe ich den Erfolg?
Über neue verweisende Domains (mit dem Raster Aktualität × Themenrelevanz × Dofollow), die Entwicklung der Rankings für die Zielthemen und regelmäßige Tests mit einer festen Liste von Prompts in ChatGPT, Perplexity und Google AI Mode.
Garantiert Digital PR Nennungen in ChatGPT?
Nein. Niemand kann Nennungen in KI-Antworten garantieren. Digital PR verbessert die Grundlage, auf der KI-Systeme Quellen auswählen – mehr seriös nicht.
Fazit
Digital PR ist der Weg zu den Links, die am meisten zählen: aktuell, thematisch passend, redaktionell. Sie lässt sich nicht kaufen und nicht abkürzen – und genau darin liegt ihr Wert. Wer eigene Daten hat oder sich die Mühe macht, sie zu erheben, hat einen Vorsprung, den Wettbewerber mit gekauften Artikeln nicht aufholen.