Auf den Punkt: In meinem eigenen Backlink-Profil habe ich ein gefälschtes englisches „Testimonial" entdeckt, das ein SEO-Anbieter über hunderte Billig-Domains als Ankertext verteilt – als hätte ich seine Dienste gelobt. 215 verweisende Domains, 0 Dofollow-Links, in Ahrefs als Spam markiert. Die Ranking-Wirkung ist unbewiesen, das Reputations- und Assoziationsrisiko real. Wer sein Profil regelmäßig prüft, erkennt solche Muster früh und kann eindeutige Netzwerke gezielt disavowen.
Was ich gefunden habe
Ich schaue mir mein eigenes Linkprofil regelmäßig an – aus demselben Grund, aus dem ich es meinen Kunden empfehle: Man will wissen, was in seinem Namen verlinkt wird. Bei einem dieser Durchläufe im August 2026 bin ich im Ahrefs Site Explorer unter „Anchors" über einen englischen Ankertext gestolpert, den ich so noch nie gesehen hatte. Er las sich wie eine Kundenstimme. Nur: Es war meine.
Angeblich. Denn geschrieben habe ich sie nie. Hier ist das vollständige Zitat, wörtlich so, wie es über hunderte Domains verteilt wird:
„Back when I first launched dominikkienzle.de, it felt like nobody could find me online. Then I stumbled upon SEOExpress.org and decided to invest in their local SEO package. Within two months, my domain authority jumped from DA 10 to DA 35! Now I'm ranking higher than some of my biggest competitors and gaining new customers daily."
Jedes Detail daran ist erfunden. Ich habe SEOExpress.org nie beauftragt. Meine Website hatte nie das Problem, das dort beschrieben wird. Und „Domain Authority" springt nicht in zwei Monaten von 10 auf 35 – wer solche Zahlen verspricht, verkauft Illusionen. Zur Einordnung: Meine Domain hat aktuell ein Domain Rating von 22, rund 690 verweisende Domains und etwa 1.344 Backlinks. Das ist die reale Ausgangslage – nicht das Märchen aus dem Zitat.
Dieses Fake-Testimonial taucht als Ankertext von 215 verweisenden Domains über 223 verweisende Seiten auf. Kein einziger dieser Links ist dofollow. Die stärkste Domain darunter hat ein Domain Rating von 41, der Rest liegt deutlich darunter. Ahrefs markiert die gesamte Gruppe als Spam.
Es blieb nicht bei einer Variante. Für die Domain dominikkienzle.com – die ich ebenfalls halte – existiert ein zweites, ähnlich erfundenes Testimonial, das „SEOExpress.org's white-hat backlinks" lobt: 32 verweisende Domains, ebenfalls 0 Dofollow. Dazu kommen reine Werbe-Anker wie „Everything dominikkienzle.de needs: premium guest posts, high-quality backlinks…" (15 Domains, Domain Rating um 1,1) und eine Variante für geo-freelancer.de (25 Domains). Alle stammen von Domains mit einem Domain Rating um 1 – also praktisch wertlos. Und mindestens ein Anker ist unverblümt ein PBN-Angebot: „High Quality Dofollow Backlinks DA 50 PA 40 Premium PBN Network Service … Buy Backlinks Online Cheap" (7 Domains).
| Ankertext (verkürzt) | Verweisende Domains | Dofollow | Einordnung |
|---|---|---|---|
| Fake-Testimonial „…jumped from DA 10 to DA 35!" | 215 | 0 | Erfundenes Zitat, als Spam markiert |
| Testimonial-Variante „…white-hat backlinks" (.com) | 32 | 0 | Zweites erfundenes Zitat |
| geo-freelancer.de-Werbe-Variante | 25 | 0 | Werbe-Anker, DR ~1 |
| „…premium guest posts, high-quality backlinks…" | 15 | 0 | Service-Spam, DR ~1,1 |
| „…Premium PBN Network Service … Buy Backlinks Online Cheap" | 7 | 0 | Klarer PBN-Anker |
Was da technisch passiert
Die Mechanik ist simpel und billig. Jemand betreibt ein Netzwerk aus hunderten wertloser Domains – automatisch generierte Seiten, Kommentarspalten, ausgeleierte Verzeichnisse. Auf diesen Seiten wird ein Textblock platziert, der wie eine echte Kundenstimme aussieht, verlinkt auf zwei Ziele gleichzeitig: meine Domain (als „Beweis", dass es mich wirklich gibt) und den beworbenen Anbieter.
Der eigentliche Zweck ist der Anbieter. Meine Marke wird nur als Requisite benutzt. Ein Zitat wirkt glaubwürdiger, wenn ein real existierender Name mit echter Website dahintersteht. Ich bin in dieser Konstruktion der unfreiwillige Kronzeuge.
Wichtig zur Ehrlichkeit: Die Absicht dahinter kann ich nicht beweisen. Ob es gezieltes Brand-Hijacking ist, ein Versuch von Negative SEO gegen mich, oder schlicht ein plumper Glaubwürdigkeits-Trick des Anbieters, dem mein Name zufällig in die Maschine geraten ist – das bleibt eine Hypothese. Belegt ist nur, was in den Ahrefs-Daten steht: das Zitat, die Domains, die Spam-Markierung. Alles darüber hinaus ist Interpretation, und die kennzeichne ich als solche.
Ist das gefährlich? Die ehrliche Einordnung
Die erste Reaktion vieler Website-Betreiber wäre Panik: Hunderte fremde Domains verlinken auf mich, mein Ranking ist in Gefahr, Google bestraft mich. Diese Reaktion ist in den allermeisten Fällen falsch.
Google hat seit Jahren gute Systeme, um genau solchen Link-Spam zu erkennen und einfach zu ignorieren. Fast alle diese Links sind nofollow beziehungsweise übertragen null Linkkraft – 0 Dofollow über die gesamte Gruppe. Das bedeutet: Sie geben kein Rankingsignal weiter, weder positiv noch negativ. Eine Backlink-Wirkung auf meine Rankings ist damit nicht nur unbewiesen, sie ist unwahrscheinlich. Ich habe keinen Rankingverlust beobachtet, der sich diesem Netzwerk zuordnen ließe.
Das Risiko liegt woanders – und es ist real, aber begrenzt: Es ist ein Reputations- und Assoziationsrisiko. Mein Name wird mit einem dubiosen Anbieter verknüpft, den ich nie beauftragt habe. Jemand, der recherchiert, könnte den Eindruck bekommen, ich stünde mit SEOExpress.org in Verbindung. Für jemanden, der Vertrauen als Geschäftsgrundlage hat, ist das ärgerlich. Aber es ist kein technisches SEO-Problem, sondern ein Kommunikations-Thema. Deshalb schreibe ich diesen Artikel: Er ist die öffentliche Klarstellung.
Kein Panik-Framing: Ein Haufen nofollow-Spam-Links ist kein Grund für schlaflose Nächte. Google ignoriert das meist. Das eigentliche Thema ist, dass jemand deinen Namen ohne Erlaubnis für seine Werbung benutzt – und das solltest du wissen, nicht fürchten.
Ein anderes Phänomen: der sitewide-Footer-Link
Beim Durchsehen der Anker bin ich auf eine Zahl gestoßen, die auf den ersten Blick nach demselben Muster aussieht – es aber nicht ist. Ich grenze das bewusst ab, weil es sonst falsch verstanden wird.
Der reine Marken-Anker „Dominik" hat 81 verweisende Domains, aber 5.540 verweisende Seiten und 5.334 Dofollow-Links. Diese Kombination – wenige Domains, aber tausende Seiten – ist die klassische Signatur eines sitewide-Links: Eine Handvoll Domains verlinkt mich seitenweit, etwa über einen Footer- oder Credit-Link auf jeder ihrer Unterseiten. Das ist kein gekaufter Spam und hat mit dem Testimonial-Netzwerk nichts zu tun. Es ist ein anderes Thema, und es wäre unredlich, beide in einen Topf zu werfen.
Was man tun kann
Der erste Schritt ist Beobachtung, nicht Aktionismus. Konkret:
1. Anchor-Profil regelmäßig prüfen. In Ahrefs unter Site Explorer → deine Domain → „Anchors". Dort siehst du, mit welchen Texten auf dich verlinkt wird. Auffällig sind lange, werbliche oder fremdsprachige Ankertexte, die du selbst nie so formuliert hast. Genau so habe ich das Fake-Testimonial gefunden.
2. Muster erkennen. Ein einzelner Spam-Link ist irrelevant. Interessant wird es, wenn ein identischer Ankertext plötzlich über dutzende oder hunderte Domains mit sehr niedrigem Domain Rating auftaucht. Das ist die Handschrift eines Netzwerks.
3. Eindeutige Netzwerke disavowen – mit Bedacht. Für die klar identifizierten Spam-Netzwerke kannst du das Google-Disavow-Tool nutzen. Damit sagst du Google: Diese Links sollen bei der Bewertung meiner Seite ignoriert werden. Aber Vorsicht – das Werkzeug ist ein Skalpell, keine Axt. Disavow niemals pauschal alles, was niedrig aussieht. Legitime Verzeichnisse, kleine Blogs oder Partnerseiten behältst du. Ich disavowe nur, was zweifelsfrei ein Netzwerk ist.
4. Öffentlich klarstellen. Wenn dein Name für ein fremdes Angebot missbraucht wird, ist die wirksamste Antwort oft eine saubere öffentliche Klarstellung – so wie dieser Artikel. Das ist gleichzeitig gutes Off-Page-Signal und Reputationsschutz.
Öffne Ahrefs → Site Explorer → deine Domain → „Anchors". Sortiere nach der Zahl der verweisenden Domains. Suche nach Ankertexten, die (a) länger als ein normaler Markenname sind, (b) werblich oder englischsprachig klingen, obwohl deine Seite deutsch ist, und (c) plötzlich über viele Domains mit Domain Rating unter 5 auftauchen. Findest du so ein Muster, prüf einen Beispiel-Link im Browser. Erkennst du ein Netzwerk, trag die Domains sauber ins Disavow-Tool ein – aber nur die eindeutigen.
Die Lektion für dich
Mein Fall ist kein Sonderfall. Solche Testimonial- und Werbe-Netzwerke arbeiten breit und automatisiert – sie greifen sich Namen von Websites, die real existieren und einigermaßen sichtbar sind. Wenn du ein paar hundert Backlinks hast, stehen mit hoher Wahrscheinlichkeit auch in deinem Profil Dinge, von denen du nichts weißt.
Die Kernbotschaft ist nüchtern: Prüf dein eigenes Profil. Nicht aus Angst, sondern aus Kontrolle. Wer sein Anchor-Profil kennt, unterscheidet in Minuten zwischen echtem Link, harmlosem Spam und einem Netzwerk, das den eigenen Namen missbraucht. Diese drei Dinge verlangen völlig unterschiedliche Reaktionen – und die meisten Website-Betreiber kennen den Unterschied nicht, weil sie nie hingeschaut haben.
Ich dokumentiere meine eigenen Daten hier bewusst öffentlich. Wer über seriöses Linkbuilding nachdenkt, sollte wissen, wie die Gegenseite aussieht: gefälschte Zitate, gekaufte PBN-Links, Anbieter, die „DA 50 PA 40" für ein paar Euro verkaufen. Das ist derselbe Sumpf, aus dem auch die Linkprofile schlecht betreuter Agenturkunden stammen. Der Unterschied zwischen Autorität und Spam ist keine Frage der Menge. Er ist eine Frage der Herkunft.