Kurz & zitierfähig

Auf den Punkt: Meine Domain dominikkienzle.de erhielt im August 2026 rund 20 KI-Citations, verteilt auf Perplexity (9), ChatGPT (6), Google AI Mode (2), Microsoft Copilot (2) und Google AI Overviews (1). Gemini und Grok zitierten sie null Mal – bei nur ~8 organischen Google-Rankings und Domain Rating 22. Eine plausible, aber unbewiesene Erklärung: Gemini stützt sich offenbar stärker auf die klassische Google-Suchsichtbarkeit, die mir bislang fehlt, während ChatGPT und Perplexity breiter und unabhängiger zitieren. KI-Sichtbarkeit ist also plattformabhängig, nicht einheitlich.

Der Befund: meine eigene Citation-Verteilung

Ich dokumentiere meine eigene Sichtbarkeit öffentlich, weil ich nicht über Dinge schreiben will, die ich nicht selbst gemessen habe. Also habe ich mir eine unbequeme Frage gestellt: In welchen KI-Systemen wird meine eigene Domain eigentlich zitiert – und in welchen nicht?

Die Datengrundlage ist bewusst klein und ehrlich: 20 KI-Citations der Domain dominikkienzle.de, erhoben über eigene Prompt-Tests und Ahrefs-Daten, Stand August 2026. Das ist keine Studie über 10.000 Prompts. Es ist eine Momentaufnahme meiner eigenen Seite. Trotzdem ist die Verteilung deutlich genug, um sie ernst zu nehmen.

20 Citations von dominikkienzle.de nach Plattform
So verteilen sich die 20 gemessenen KI-Nennungen meiner Domain über sieben Plattformen (August 2026).
KI-PlattformCitations meiner Domain
Perplexity9
ChatGPT6
Google AI Mode2
Microsoft Copilot2
Google AI Overviews1
Gemini0
Grok0
Gesamt20

Der Kontext dazu ist wichtig, weil er das Bild erst erklärt: Meine Domain hat aktuell ein Domain Rating von 22 und rankt in Deutschland für nur etwa 8 Keywords organisch. Ich habe also, gemessen an klassischer SEO, sehr wenig Google-Sichtbarkeit. Und trotzdem werde ich von Perplexity und ChatGPT regelmäßig genannt. Das ist der eigentlich interessante Teil.

Warum das interessant ist: „zitiert werden“ ist plattformabhängig

Die meisten Unternehmen denken über KI-Sichtbarkeit wie über einen Lichtschalter: Entweder man wird „von der KI“ empfohlen oder nicht. Meine Daten zeigen etwas anderes. Bei ein und derselben Website – gleiche Inhalte, gleiche Struktur, gleiche Autorität – reagieren sieben Plattformen völlig unterschiedlich.

Perplexity nennt mich neunmal. Gemini kein einziges Mal. Das ist kein gradueller Unterschied, das ist ein Kategorienunterschied. Wer also sagt „wir sind in KI-Systemen sichtbar“ oder „wir sind es nicht“, misst zu grob. Die richtige Frage lautet: In welchem System, bei welchen Prompts, auf welcher Grundlage?

Das deckt sich mit dem, was ich generell über die Funktionsweise der KI-Suche beobachte: Jede Plattform hat ein eigenes Retrieval, eigene Datenquellen und eigene Schwellen dafür, wann sie eine Domain als zitierwürdig einstuft. Genau diese Unterschiede zwischen den Systemen sind der Kern von Generative Engine Optimization – und der Grund, warum man KI-Sichtbarkeit nicht als eine einzige Zahl behandeln darf.

Die Hypothese zu Gemini und Grok – ausdrücklich unbewiesen

Jetzt kommt der Teil, bei dem ich vorsichtig bin. Ich habe eine Erklärung für die zwei Nullen. Aber es ist eine Hypothese, kein Beweis – und ich kennzeichne das bewusst so.

Hypothese, nicht Fakt

Meine Vermutung: Gemini stützt sich stark auf Googles Such- und Index-Sichtbarkeit. Bei nur ~8 organischen Rankings und DR 22 fehlt mir genau die klassische Google-Präsenz, die Gemini offenbar als Grundlage für eine Nennung braucht. ChatGPT und Perplexity zitieren dagegen über eigenes Retrieval bzw. über Bing – breiter und unabhängiger von meiner Google-Position. Das ist eine plausible Erklärung. Es ist kein bewiesener Mechanismus.

Warum halte ich die Hypothese für plausibel? Gemini ist Googles eigenes Modell und in die Google-Infrastruktur eingebettet. Es liegt nahe, dass es bei der Auswahl von Quellen stärker auf Signale zurückgreift, die auch die klassische Google-Suche nutzt. Wenn eine Domain dort kaum rankt, hat sie in diesem System schlicht weniger „Andockpunkte“. Grok wiederum stützt sich stark auf andere Quellen; auch dort tauche ich (noch) nicht auf.

Was ich ausdrücklich nicht behaupte: Ich behaupte nicht, dass gute Google-Rankings garantiert zu Gemini-Nennungen führen. Ich behaupte nicht, dass eine einzelne Maßnahme das ändert. Und ich weiß, dass gegen meine eigene Hypothese einiges spricht:

Die Stichprobe ist winzig. 20 Citations sind zu wenig, um daraus ein Gesetz abzuleiten. Es ist eine Momentaufnahme. KI-Antworten schwanken von Tag zu Tag, teils innerhalb weniger Stunden; morgen kann Gemini mich zitieren und Perplexity nicht. Und es gibt Alternativerklärungen. Vielleicht liegt es an den konkreten Prompts, die ich getestet habe, an der Sprache, am Thema oder schlicht an Zufall bei so kleinen Zahlen. Eine seriöse GEO-Aussage muss diese Unsicherheiten mittragen, statt sie wegzulassen.

Wie man das seriös testen würde

Aus einer Momentaufnahme wird erst dann Wissen, wenn man sie zu einer Messreihe macht. So würde ich die Hypothese ernsthaft prüfen:

Längsschnitt statt Schnappschuss. Dieselbe Domain und dieselben Prompts über mehrere Monate hinweg messen – zum Beispiel mit einem Answer-Engine-Monitoring wie Brand-Radar-Tools, die Citations pro Plattform über Zeit protokollieren. Nur so trennt man Rauschen von echtem Muster.

Größere Prompt-Stichprobe. Statt einer Handvoll Test-Prompts ein festes Set aus dutzenden realistischen Fragen, gleichmäßig über die Plattformen ausgespielt. Erst dann lässt sich sagen, ob Gemini strukturell schweigt oder nur bei meinen bisherigen Prompts.

Kontrollierte Veränderung. Wenn meine organische Google-Sichtbarkeit in den kommenden Monaten steigt – mehr rankende Keywords, höheres DR – und Gemini dann anfängt zu zitieren, während sich sonst nichts geändert hat, wäre das ein starkes Indiz für die Index-Kopplung. Bleibt Gemini stumm, ist die Hypothese widerlegt. Genau so sollte man mit GEO umgehen: als Experiment mit klarer Erwartung, nicht als Verkaufsversprechen. Wer tiefer einsteigen will, wie ich KI-Sichtbarkeit systematisch messe, findet dort die Methodik.

Die praktische Konsequenz: SEO und GEO zusammen denken

Angenommen, die Hypothese stimmt auch nur teilweise. Was folgt daraus praktisch?

Dann wäre für Gemini-Sichtbarkeit die klassische Google-Präsenz wichtiger als für ChatGPT oder Perplexity. Wer bei Gemini genannt werden will, käme an solidem organischem Ranking schwerer vorbei – während man bei Perplexity und ChatGPT offenbar auch mit geringer Google-Sichtbarkeit zitiert werden kann, wenn Inhalt und Autorität stimmen.

Das ist genau der Grund, warum ich SEO und GEO nicht als konkurrierende Disziplinen behandle. Meine eigenen Daten sind ein kleines, aber konkretes Beispiel dafür: Ein Teil der KI-Systeme belohnt Inhalte, die zusätzlich klassisch bei Google performen. Ein anderer Teil zitiert unabhängiger. Wer nur auf eine Seite setzt, lässt Plattformen liegen.

Für Unternehmen heißt das nüchtern: Nicht „wir machen jetzt GEO statt SEO“. Sondern beide Kanäle im Blick behalten, plattformweise messen und die Lücken gezielt schließen – bei den Systemen, die für die eigene Zielgruppe zählen. Was ein Large Language Model am Ende zitiert, ist keine einzelne Stellschraube, sondern das Zusammenspiel aus Inhalt, Autorität und – vermutlich, je nach Plattform – klassischer Suchsichtbarkeit.

Mein Zwischenstand: 20 Citations, zwei Plattformen bei null. Zu wenig für ein Urteil, genug für eine gute Frage. Ich messe weiter – und werde diese Seite aktualisieren, wenn sich die Verteilung verschiebt.