Ein Rohrbruch am Samstagmorgen, eine Wallbox für das neue E-Auto, ein Dach, das nach dem Sturm tropft: Wer einen Handwerker braucht, greift zum Handy und sucht. Meist mit Ort, oft unter Zeitdruck. Er ruft einen der ersten Betriebe an, die Google zeigt. Die anderen sieht er gar nicht.
SEO für Handwerker heißt deshalb nicht, Blogartikel über Kabelquerschnitte zu schreiben. Es heißt, an genau dieser Stelle aufzutauchen: in Google Maps, in den Suchergebnissen und zunehmend in den Antworten von ChatGPT und Googles KI. Wie das geht, zeige ich in diesem Ratgeber mit echten Suchzahlen aus München und zwei Checklisten, die du direkt abarbeiten kannst.
Warum SEO im Handwerk anders funktioniert
Ein Onlineshop will bundesweit gefunden werden, ein Steuerberater oft auch. Ein Handwerksbetrieb fast nie. Er will von Menschen gefunden werden, die in seinem Einzugsgebiet wohnen und genau jetzt eine Leistung brauchen. Das verändert, worauf es ankommt:
- Google Maps zählt mehr als Platz 1 in der Liste. Bei Suchen mit Ort zeigt Google oft eine Karte mit drei Betrieben ganz oben. Wer dort steht, bekommt den Großteil der Anrufe.
- Es gibt zwei Arten von Suchen. Notfälle wie „Schlüsseldienst“ oder „Rohrbruch“ werden sofort entschieden. Projekte wie „Badsanierung“ oder „Dach neu eindecken“ werden verglichen, oft über Wochen. Beide brauchen unterschiedliche Seiten.
- Vertrauen entscheidet. Niemand lässt einen Fremden in seine Wohnung, ohne vorher Bewertungen und Fotos gesehen zu haben.
- Wenig Wettbewerb um Inhalte. Die meisten Betriebe haben eine Website mit Startseite, Leistungen und Kontakt. Wer mehr macht, hebt sich schnell ab.
So oft sucht München nach Handwerkern
Die folgenden Zahlen zeigen, wie oft im Monat nach typischen Handwerkern in München gesucht wird. Die Spalte rechts zeigt, ob Google bei dem Begriff bereits eine KI-Übersicht (AI Overview) über die Ergebnisse setzt.
| Suchbegriff | Suchen pro Monat | KI-Übersicht |
|---|---|---|
| Schlüsseldienst München | 2.700 | ja |
| Elektriker München | 2.000 | ja |
| Maler München | 900 | ja |
| Klempner München | 700 | nein |
| Dachdecker München | 600 | ja |
| Sanitär München | 400 | nein |
| Installateur München | 350 | nein |
| Schreiner München | 350 | nein |
| Fliesenleger München | 250 | nein |
| Badsanierung München | 250 | ja |
| Zimmerei München | 200 | nein |
| Heizung Sanitär München | 100 | nein |
Quelle: Ahrefs, Suchvolumen Deutschland und Suchergebnis-Merkmale, abgerufen im Oktober 2026. Die Werte sind Schätzungen und schwanken über das Jahr.
Zwei Dinge fallen auf. Erstens: Selbst Nischen wie „Zimmerei München“ haben rund 200 Suchen im Monat. Wenn nur jede zwanzigste daraus eine Anfrage wird, sind das zehn Anfragen im Monat für einen einzigen Begriff. Zweitens: Bei „Elektriker“, „Maler“, „Dachdecker“, „Schlüsseldienst“ und „Badsanierung“ beantwortet Googles KI die Suche schon selbst. Wer dort als Quelle oder Empfehlung auftaucht, ist sichtbar, bevor überhaupt jemand scrollt.
Wo Münchner Handwerksbetriebe heute stehen
Für meine Analyse von 100 Münchner Unternehmen habe ich unter anderem Elektriker, Sanitär- und SHK-Betriebe, Schreiner, Maler und Dachdecker mit Ahrefs geprüft. Das Ergebnis für das Handwerk ist deutlich:
Münchner Elektriker
Elektrikerbetrieb
Zahnarztpraxis
Auch die anderen Gewerke liegen weit hinten: Sanitärbetriebe kamen im Schnitt auf ein Domain Rating von 3,4, Maler auf 5,7, Schreiner auf 5,8. Nur die Dachdecker lagen mit 21,7 deutlich höher. Dazu kommt: Von 45 naheliegenden Münchner Branchen-Domains wie schreiner-muenchen.de waren 78 Prozent geparkt oder inaktiv.
Für dich ist das eine gute Nachricht. Die Nachfrage ist da, die Konkurrenz um gute Inhalte kaum. Wer als Handwerksbetrieb in München systematisch an seiner Sichtbarkeit arbeitet, braucht keine riesige Website, um vorne zu landen. Er muss nur besser sein als die drei Betriebe, die heute oben stehen.
Checkliste: Google-Unternehmensprofil für Handwerker
Das Google-Unternehmensprofil entscheidet, ob du in Maps und in der Kartenbox oben auftauchst. Für Handwerker ist es der wichtigste einzelne Hebel und in ein bis zwei Stunden sauber eingerichtet.
- Primäre Kategorie so genau wie möglich. „Elektriker“, „Dachdecker“, „Sanitärinstallateur“, nicht „Dienstleister“ oder „Bauunternehmen“. Schau, welche Kategorie die drei Betriebe ganz oben in Maps nutzen.
- Sekundäre Kategorien ergänzen. Ein SHK-Betrieb ist oft auch „Heizungsinstallateur“ und „Badausstatter“. Jede passende Kategorie ist eine weitere Chance, gefunden zu werden.
- Firmenname wie auf dem Briefkopf. Kein „Elektriker München 24/7“ als Namenszusatz. Google verbietet Keywords im Namen, und Mitbewerber melden solche Einträge.
- Einzugsgebiet statt Adresse, wenn Kunden nicht zu dir kommen. Wer beim Kunden arbeitet, blendet die Adresse aus und trägt die Stadtteile und Orte ein, die er wirklich bedient.
- Öffnungszeiten ehrlich pflegen. Notdienst nur eintragen, wenn wirklich jemand ans Telefon geht. Feiertage und Betriebsurlaub als Sonderzeiten hinterlegen.
- Jede Leistung einzeln eintragen. „Wallbox installieren“, „Zählerschrank erneuern“, „Badsanierung“: konkret, mit kurzer Beschreibung. Genau diese Begriffe suchen deine Kunden.
- Echte Fotos von echten Baustellen. Vorher und nachher, Team, Fahrzeug, Werkstatt. Keine Stockfotos. Neue Bilder regelmäßig nachlegen.
- Beschreibung mit Leistung, Gebiet und Spezialisierung. Zwei, drei Sätze, die klar sagen, was du machst, wo und für wen. Keine Floskeln wie „Qualität seit Jahrzehnten“.
- Website-Link auf die passende Seite. Nicht nur auf die Startseite, sondern dorthin, wo der Kunde die gesuchte Leistung und deine Telefonnummer sofort findet.
- Dieselben Daten überall. Name, Adresse und Telefonnummer genau gleich auf Website, Google, Bing Places, MyHammer und in Branchenverzeichnissen.
Was die Betriebe ganz oben gemeinsam haben
Ich habe mir für „Elektriker München“, „Dachdecker München“, „Maler München“ und „Heizung Sanitär München“ die vorderen Einträge in Google Maps angesehen. Drei Muster wiederholen sich:
Viele Bewertungen. Die vorderen Maler- und SHK-Betriebe hatten jeweils mehrere Dutzend bis über 200 Bewertungen, fast alle mit 4,8 bis 5,0 Sternen. Einträge mit nur einer Handvoll Bewertungen standen weiter hinten.
Konkrete Bewertungstexte. In den Rezensionen der vorderen Betriebe stehen Leistungen und Situationen: Wallbox installiert, Stromausfall am Samstagmorgen behoben, Dachfenster eingebaut, Fußbodenheizung nachgerüstet. Genau solche Details helfen Google und KI-Systemen, einen Betrieb einer Suche zuzuordnen.
Klare Kategorie, klares Gebiet. Die vorderen Einträge sind eindeutig als Elektriker, Dachdecker oder Maler eingeordnet. Einzelne Einträge mit Suchbegriffen im Namen tauchen zwar auf, verstoßen aber gegen die Google-Richtlinien und riskieren eine Sperre.
Checkliste: Mehr Google-Bewertungen für Handwerksbetriebe
Bewertungen sind für Handwerker Rankingfaktor und Verkaufsargument zugleich. Wer zwischen zwei Betrieben wählt, nimmt den mit mehr und konkreteren Bewertungen. Und wie ich in meinem Artikel über Google-Bewertungen und KI-Sichtbarkeit zeige, nutzen auch ChatGPT und Co. die Inhalte von Bewertungen, um Empfehlungen zu begründen.
- Direkt nach der Abnahme fragen. Wenn der Kunde zufrieden vor der neuen Heizung steht, ist die Bereitschaft am größten. Eine Woche später ist sie fast weg.
- Den Link so einfach wie möglich machen. QR-Code auf Rechnung und Abnahmeprotokoll, Link per WhatsApp oder SMS. Jeder zusätzliche Klick kostet Bewertungen.
- Alle Kunden fragen, nicht nur die zufriedenen. Google verbietet, gezielt nur positive Bewertungen einzusammeln. Ein ehrliches Gesamtbild wirkt ohnehin glaubwürdiger.
- Keine Gegenleistung anbieten. Rabatt gegen Bewertung ist laut Google-Richtlinien verboten und kann dazu führen, dass Bewertungen gelöscht werden.
- Eine offene Frage stellen. „Was haben wir für Sie gemacht, und wie lief es?“ führt zu Bewertungen mit Leistung und Details. Den Text selbst darfst du nicht vorgeben.
- Jede Bewertung beantworten. Kurz, persönlich und mit Bezug zur Arbeit. Auf Kritik sachlich reagieren und anbieten, das Problem zu klären.
- Lieber laufend als auf einen Schlag. Zwei, drei neue Bewertungen pro Monat sind besser als zwanzig in einer Woche und dann monatelang nichts.
Wichtig: Bewertungen auf MyHammer, Check24 oder in Branchenportalen helfen zusätzlich, ersetzen aber nicht die Bewertungen bei Google. Die Kartenbox in der Google-Suche zeigt nur die Google-Bewertungen.
Die Website: eine Seite für jede Leistung
Das Unternehmensprofil bringt dich in die Kartenbox. Die Website entscheidet, ob du auch in den normalen Suchergebnissen stehst und ob aus dem Besuch eine Anfrage wird. Die meisten Handwerker-Websites, die ich sehe, haben dafür zu wenig Substanz.
1. Eine eigene Seite pro Leistung
„Leistungen“ als eine Seite mit zehn Stichpunkten rankt für nichts. Eine Seite „Wallbox installieren in München“ mit Ablauf, Kosten, Förderung, Fotos und Fragen kann für genau diese Suche ranken. Das gilt für jede Leistung mit eigenem Suchvolumen.
2. Projektbeispiele mit Ort
„Badsanierung in Schwabing, 8 m², bodengleiche Dusche, 3 Wochen“ mit Vorher- und Nachher-Fotos ist der beste Inhalt, den ein Handwerker haben kann. Er zeigt Kompetenz, bringt lokale Begriffe auf die Seite und überzeugt Kunden mehr als jeder Werbetext.
3. Preise und Kostenrahmen
Kunden suchen „Badsanierung Kosten“ oder „Was kostet ein Elektriker“. Wer einen ehrlichen Kostenrahmen nennt, wird gefunden und filtert gleichzeitig Anfragen aus, die nicht zum Budget passen.
4. Anruf mit einem Fingertipp
Die meisten Handwerkersuchen kommen vom Handy. Die Telefonnummer gehört oben auf jede Seite, anklickbar. Ein kurzes Formular mit Foto-Upload hilft bei Projekten.
5. Technik sauber halten
Schnelle Ladezeit auf dem Handy, eine verschlüsselte Seite, ein vollständiges Impressum und strukturierte Daten für lokale Unternehmen. Das ist keine Raketenwissenschaft, wird aber oft vergessen.
6. Stadtteilseiten nur mit echtem Inhalt
Zwanzig Seiten „Elektriker Pasing“, „Elektriker Bogenhausen“ mit gleichem Text bringen nichts und können schaden. Wie eine Stadtteil-Strategie in München sinnvoll aussieht, zeige ich im Local-SEO-Leitfaden für München.
Handwerker in der KI-Suche
Immer mehr Menschen fragen ChatGPT oder Googles KI: „Welchen Elektriker in München kannst du empfehlen?“ Die Antwort ist keine Liste mit zehn Links, sondern eine kurze Auswahl mit Begründung. Wer dort nicht genannt wird, kommt für diesen Kunden nicht in Frage.
Woher die KI ihre Empfehlungen nimmt, lässt sich nicht vollständig kontrollieren. Nach meiner Beobachtung stützen sich die Systeme bei lokalen Anbietern aber auf dieselben Grundlagen wie Google: Unternehmensprofile, Bewertungen und deren Inhalt, die eigene Website und Erwähnungen in Verzeichnissen. ChatGPT greift für lokale Suchen dabei auch auf Bing zurück. Ein gepflegter Eintrag bei Bing Places kostet zehn Minuten und gehört deshalb auf jede Liste.
Die gute Nachricht: Wer die beiden Checklisten oben abarbeitet, macht damit auch den größten Teil der Arbeit für die KI-Suche. Mehr dazu, wie Empfehlungen entstehen, steht in meinem Ratgeber So wird dein Unternehmen von ChatGPT empfohlen.
Beispiele aus meiner Arbeit
Zwei Projekte aus meinen Fallstudien zeigen, wie das in der Praxis aussieht. Beide sind lokale Dienstleister mit Reparatur und Montage, also nah am Handwerk.
50 % mehr Klicks aus Google in einer umkämpften lokalen Nische
Ausgangslage: Starker Wettbewerb um „Handy Reparatur München“ und kaum Sichtbarkeit für Spezialreparaturen.
Maßnahmen: Eigene Service-Seiten für jedes Gerät, saubere Onpage-Optimierung und themenrelevante Links für lokale Autorität.
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aus Google
Das Muster ist auf jedes Gewerk übertragbar: eine eigene Seite für jede Leistung, die Kunden gezielt suchen.
Platz 1 für „Schachtloser Aufzug“
Senkrechtlifte ohne Schacht sind ein beratungsintensives Produkt mit hohem Auftragswert. Kunden suchen nicht nach dem Firmennamen, sondern nach der Lösung für ihr Problem. Mit Seiten, die genau diese Suchbegriffe beantworten, steht Cama heute auf Platz 1 für „schachtloser Aufzug“ und für weitere Begriffe rund um Plattformlifte.
Für Handwerker heißt das: Wer Spezialleistungen anbietet, sollte sie so benennen, wie Kunden suchen, nicht wie der Fachbegriff im Katalog heißt.
Die häufigsten Fehler, die ich bei Handwerkern sehe
- Suchbegriffe im Firmennamen bei Google. Bringt kurzfristig vielleicht etwas, endet aber oft mit einer Sperre des Profils.
- Alle Leistungen auf einer Seite. Google weiß dann nicht, für welche Suche die Seite die beste Antwort ist.
- Stockfotos statt echter Arbeit. Kunden merken das sofort, und es verschenkt den stärksten Vertrauensbeweis.
- Nur auf Portale setzen. MyHammer und Co. bringen Aufträge, aber du zahlst für jeden Kontakt und konkurrierst direkt mit dem Nachbarbetrieb.
- Bewertungen nur ab und zu sammeln. Ein Schub alle zwei Jahre wirkt weniger als zwei neue Bewertungen jeden Monat.
- Abwarten, bis die Auftragsbücher leer sind. SEO braucht in der Regel drei bis sechs Monate, bis es spürbar trägt. Wer erst anfängt, wenn es ruhiger wird, ist zu spät.